Ein altes Sprichwort sagt "keine Rose ohne Dornen". -Stimmt nicht!
Es gibt eine ganze Reihe von Rosen, deren Duft und Schönheit man genießen kann, ohne dafür bluten zu müssen. Besonders an Durchgängen, Gartenwegen oder Sitzplätzen ist das sehr vorteilhaft.
Eine kleine Auswahl von Rosen mit gar keinen oder zumindest sehr wenigen Stacheln stellen wir Ihnen hier vor. Es handelt sich um Sorten für verschiedene Verwendungszwecke und Standorte, vom kleinen Strauch bis zur imposanten Kletterrose.
Martha ist eine Bourbonrose, die als Sport (Mutation) der wesentlich bekannteren Zéphirine Drouhin entstanden ist. Ein weiterer Sport ist Kathleen Harrop. Alle drei sind stachellos, blühen öfter, duften und können klettern.
Die intensiv bläulich rosafarbene Zéphirine Drouhin wächst von den dreien am schnellsten. Sie kann innerhalb weniger Jahre auf guten Böden 3 bis 4 m hoch werden, manchmal auch höher und eignet sich auch für relativ schattige Plätze.
Die beiden anderen wachsen nicht ganz so schnell und mögen lieber sonnigere Plätze. Wunderschön und sehr frosthart sind sie aber auch.
Die einmalblühende Bengalhybride Duchesse de Montebello ist in den meisten Rosenkatalogen als Gallica gelistet. Ihre glatten, völlig stachel- und borstenlosen Triebe lassen aber das Erbe der frühen Chinarosen erkennen, ebenso das glatte Laub, das besonders gesund ist und bis weit in den Herbst hinein am Strauch bleibt. Dadurch und durch ihr schnelles Wachstum eignet sie sich besonders gut als Sichtschutz an einem Grenzzaun oder einer Terrasse. Abgesehen von diesen praktischen Vorteilen hat sie wunderschöne und stark duftende Blüten in cremigem Weißrosa. Sie blüht schon im ersten Jahr ein bisschen, in den folgenden dann besonders üppig. Die Blüten sind mittelgroß, stark gefüllt und die äußeren Blütenblätter biegen sich zurück, so dass der Eindruck eines Pompons entsteht. Sie ist sehr robust und frosthart, liebt Sonne, verträgt aber auch lichten Halbschatten. Durch Rückschnitt der Triebe nach der Blüte um ein Drittel bis zur Hälfte kann man den ausladenden Strauch auf etwa 1,5 bis 2m Höhe und Breite halten. Die biegsamen Triebe können aber auch aufgebunden werden, dann klettert diese Sorte 3 bis 4 m hoch.
Lac Majeau ist eine weiß blühende Rugosa Hybride. Ihre Knospen haben anfangs schmale rote Streifen, was einen aparten "Pyjama-Effekt" hervorruft. Bis weit in den Herbst bildet sie an den Spitzen junger Triebe ständig neue Blüten, die in Büscheln erscheinen. Wenn man Verblühtes nicht entfernt hat, erscheinen daneben dann große, rotorangefarbene Hagebutten. Die Blüten sind halbgefüllt und duften wunderbar. Ein paar Stacheln gibt es nur im unteren Bereich der neuen Triebe. Wenn sie ausreifen, verschwinden die Stacheln wieder und die Triebe sind dann samtig glatt. Lac Majeau wächst aufrecht, wird schnell 1,5 bis 2m hoch und kann mit leichtem Rückschnitt im Frühling oder nach der Blüte auf dieser Höhe gehalten werden. Die buschige Pflanze ist besonders gesund und frosthart. Sie verträgt Halbschatten und eignet sich als freistehender Strauch genauso wie für eine Hecke.
Die Alba Hybride Mme Legras de St. Germain erkennt man an ihrem Zitronenduft, der auf die Einkreuzung von Teerosen hinweist. Sie blüht einmal überreich mit stark gefüllten weißen Blüten. Ohne Rückschnitt wird sie ein überhängender Strauch von etwa 2,5 mal 2,5 m oder sogar mehr. Durch einen Rückschnitt gleich nach der Blüte um etwa ein Viertel und das Einkürzen der Neutriebspitzen im Frühjahr kann man sie etwas kleiner halten. Als Kletterrose aufgebunden kann sie beachtliche Höhen erreichen und bietet dann mit den herabhängenden Blütenkaskaden einen besonders schönen Anblick. Sie ist sehr robust, frosthart und ihre biegsamen Triebe sind völlig stachellos.
Ducher ist eigentlich eine Chinarose. Besonders der starke Duft der mittelgroßen bis großen, anfangs grünlich oder gelblich überhauchten Blüten erinnert aber sehr an Teerosen. Ebenso das dunkelrot austreibende Laub, das später dunkelgrün wird. Diese Sorte ist sehr blühwillig und bis zum Frost fast nie ohne mehrere Blüten anzutreffen. Sie wird ca. 1 bis 1,3 m hoch und ist für
ihre Klasse relativ frosthart. Der Wuchs ist verzweigt und buschig, das Laub fast immer sehr gesund. Darum macht sich Ducher auch hervorragend in einem großen Kübel, der in kälteren Gegenden geschützt überwintert werden kann.
In milderen Gebieten hält sie mit einer Schattierung gegen die Vorfrühlingssonne aber auch Temperaturen von minus 15 Grad im Freiland aus. Ducher liebt volle Sonne, verträgt aber wie alle China- und Teerosen keine Staunässe. Ein leichter Rückschnitt im Frühling und das Abschneiden von Verblühtem reichen aus, um die buschige Form des kleinen Strauches zu erhalten. Manchmal gibt es einzelne kleine Stacheln an der Basis der Triebe, ansonsten ist Ducher stachellos. Diese Sorte eignet sich besonders als Blickfang und Dufthöhepunkt im vorderen Bereich von Beeten oder als Kübelpflanze an einem Sitzplatz.
Die Alba Rose Chloris wächst schnell zu einem imposanten Strauch heran, der sich auch als Sichtschutz eignet Sie blüht einmal sehr üppig und hat mittelgroße, rosaweiße Blüten, die gefüllt sind und duften. Die völlig stachellosen Triebe sind biegsam und können auch aufgebunden werden. Dann wächst Chloris 3 bis 4 m oder höher. Mit etwas Rückscnitt nach der Blüte kann Chloris aber auch auf ca. 2m Höhe gehalten werden. Die Triebe hängen dann an den Spitzen elegant über. Diese Sorte wächst auch gut an halbschattigen Plätzen und stellt wenig Ansprüche an den Boden. Sie ist sehr frosthart und besonders gesund.
Manuel Canovas ist eine neuere Züchtung der französischen Rosenschule Guillot. Als freistehender Strauch kann sie durch etwas Rückschnitt auf einer Höhe von etwa 1,5 bis 2m gehalten werden. Mit einer Kletterhilfe wird sie aber 2,5 bis 3m hoch und eignet sich wegen ihrer Stachelarmut als duftende Bepflanzung von Bögen oder Säulen an schmaleren Wegen.
Die mittelgroßen Blüten dieser Sorte erscheinen immer in großen Büscheln und erinnern darin und im Duft an Noisetterosen. Ihre Farbe ist etwas variabel Manchmal sind die Knospen apricot oder gelblich überhaucht, manchmal eher rosa. Die Blüten werden später aber immer reinweiß. Das Laub ist glänzend dunkelgrün und gesund. Manuel Canovas bildet bis zum Frost an sonnigen Plätzen immer wieder neue Blütenbüschel. Der Wuchs ist schön verzweigt.
In milderen Gebieten ist diese Sorte frosthart, in kalten Regionen ist eine Schattierung aber sicher vorteilhaft.
Eine weitere moderne Sorte ohne Stacheln ist die Delbard-Züchtung Nahéma.
Sie kann mit etwas Rückschnitt als freistehender, buschiger Strauch von ca. 2m Höhe gehalten werden. Aufgebunden erreicht sie als Kletterrose 3,5 bis 4m.
Die Triebe sind allerdings nicht besonders biegsam und müssen darum am Klettergerüst befestigt werden, solange sie noch relativ jung sind.
Nahéma hat besonders großes Laub, das weitgehend gesund ist. Die köstlich zitronig duftenden Blüten sind stark gefüllt und zartrosa. Sie erscheinen in verschwenderischer Fülle bis in den Herbst. Die Sorte bevorzugt vollsonnige Standorte, toleriert aber auch leicht schattige Plätze. Da sie auch stark in die Breite wächst, reicht eine Pflanze pro Seite an Rosenbögen völlig aus. Man sollte sie an Stellen pflanzen, an denen man oft vorbeigeht, damit man ihren Duft möglichst oft genießen kann.
Duchesse d´Angoulême ist eine meist als Gallica gelistete Bengalhybride, die einmal im Sommer verschwenderisch blüht und auch schön duftet. Ihre Blüten sind wegen des Chinarosen-Einflusses etwas flatteriger und nicht so stark gefüllt wie die anderer Gallicas, was einen sehr reizvollen Effekt ergibt. Sie hat biegsame Triebe, an denen sich keine Stacheln finden und macht sich besonders gut, wenn sie aufgebunden wird oder durch einen Obelisken wächst. Ihr Laub ist glatt und mittelgrün, die Pflanze selbst ist sehr robust und gut frosthart. Wenn man sie nicht aufbinden möchte, sollte man die Triebe gleich nach der Blüte um etwa ein Viertel bis ein Drittel einkürzen, damit sie kompakter wächst. In diesem Fall kann sie auf einer Höhe und Breite von etwa 1,4 x 1,4 m gehalten werden. Aufgebunden kann sie 2m oder höher werden.
Von den "Englische Rosen"genannten David Austin-Züchtungen sind auch einige fast oder ganz stachellos: Z.B. die üppig und öfter blühende Heritage, deren kugelige, halbgefüllte Blüten einen starken Zitronenduft haben,
Leander, der als großer Strauch oder eine kleinere Kletterrose gezogen werden kann und im späteren Sommer erneut Büschel von apricotfarbenen Knospen und zartrosa, fruchtig duftenden Blüten zeigt oder Charles Austin, dessen intensiv nach Pfirsich und Zitrusfrüchten duftende, hellrosa Blüten sich aus fast orangefarbenen Knospen öffnen und der ebenfalls als großer Strauch oder als Kletterrose (z.B. an einer Säule) Verwendung findet.
Autorin: Raphaela Langenberg