|
Alba Rosen und CentifolienDiese beiden Gruppen alter Rosen haben durch ihre Robustheit, ihren majestätischen Wuchs, die Üppigkeit und die romantische Form ihrer Blüten und nicht zuletzt durch ihren starken Duft nicht nur die Rosenliebhaber, sondern auch die Dichter und Maler vergangener Jahrhunderte besonders begeistert und inspirier Alba Rosen Beginnen wir mit der älteren der beiden Rosenklassen, den Albas: Alba Rosen erkennt man an ihrem hohen, schlanken, später leicht überhängenden Wuchs, ihrem graugrünen Laub und ihren langen, glatten Trieben, die meist nur wenige Stacheln haben. Sie blühen einmal im Jahr sehr üppig an den im Vorjahr gebildeten Trieben, sind sehr anspruchslos, was den Boden betrifft und besonders winterhart. Schon im 13. Jahrhundert wurde Alba x maxima, eine der ältesten Rosen dieser Klasse vom Botaniker Albertus Magnus beschrieben und ihre Verbreitung in Europa reicht noch weiter zurück in die Vergangenheit. Im Keller Verzeichnis von 1828 (zu beziehen über http://www.rosegathering.com/bookselection.html) sind noch 43 Albarosen und 13 Alba Hybriden aufgeführt, von denen ein großer Teil heute leider verschollen ist. Zu den ältesten noch erhaltenen Sorten gehört R. alba semi-plena, die durch ihre nur halbgefüllten Blüten mehr Hagebutten bildet als viele der stärker gefüllten Albas. Weitere alte Sorten sind Alba maxima, die wahrscheinlich als Mutation aus R x alba Semi-plena entstanden ist und schon im 15. Jahrhundert ein beliebtes Motiv für Maler war. Ebenso wie Great Maiden´s Blush, deren Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgt werden können. Ein Synonym für diese immer noch sehr beliebte Sorte ist Alba carnea. Auch ihre später entstandene Verwandte Small Maiden´s Blush war durch ihren Duft so beliebt und weit verbreitet, dass sie noch heute oft in alten Gärten gefunden werden kann. Jeanne d´Arc gehört auch zu den Albas, die bereits im Keller Verzeichnis aufgeführt sind. Sie unterscheidet sich von Alba maxima durch einen etwas weniger starken Wuchs und anfangs creme- bis fleischfarbene Blüten, die erst im vollen Aufblühen zu reinem Weiß verblassen. Weitere Albarosen im ursprünglichen Typ sind Celèste (auch Coelestis, Celestial oder Rosée du Matin genannt) mit halbgefüllten, seidigen Blüten in zartestem Rosa und relativ kompaktem Wuchs und Chloris mit stark gefüllten, fleischfarbenen Blüten und einem besonders starken und überhängenden Wuchs. Eine der bekanntesten Alba Hybriden, die heute noch im Handel sind, ist Königin von Dänemark (Queen of Denmark). Im Keller Verzeichnis steht diese Züchtung von Booth von 1826 unter dem Namen Geburt der Venus (Naissance de Venus) und ihre zarten, in dichten, ordentlichen Reihen angeordneten Petalen machen der Göttin der Schönheit tatsächlich alle Ehre. Sie ist kompakter im Wuchs und stärker bestachelt als reine Albarosen, aber ebenso robust und frosthart. Wegen ihrer Bestachelung gehört sie eigentlich eher in die Gruppe der Darmaszener Rosen. Von einer anderen Rose, die lange als Alba bezeichnet wurde, nimmt man heute an, dass es sich um eine Noisette- oder Moschata Hybride handelt: Mme Plantier, gezüchtet 1835 von Plantier, hat mit den Albarosen die Frosthärte und den süßen Duft gemeinsam, die Art der cremeweißen Blüten, in großen Büscheln an weichen Trieben herabzuhängen, erinnert aber mehr an Noisetterosen. Bei Mme Legras de Saint Germain lässt der zitronige Duft auf eine Verwandtschaft mit den Tee Noisetterosen schließen. Wie Mme Plantier ist sie ganz oder fast stachellos und eignet sich aufgebunden auch hervorragend als Kletterrose. Eine Alba Hybride, die wahrscheinlich auch mit den Noisetterosen verwandt ist, ist Pompon blanc parfait (von Verdier 1876). Ihr Wuchs ist relativ aufrecht und sie hat eine besonders lange Blütezeit. Félicité Parmentier dagegen zeigt einige Merkmale einer Centifolie: Ihr Wuchs ist beiter als der der meisten Albarosen und sie ist wesentlich stärker bestachelt. Auch ihre Eigenschaft, schon ein wenig am einjährigen Holz zu blühen, verweist auf die Abstammung von einer Centifolie. Sie ist besonders genügsam, was Boden und Standort betrifft und blüht sogar im Halbschatten. Eine neuere Alba Hybride ist Madame Sophie Charlotte, die aus einer Kreuzung von Doris Tystermann und Maiden´s Blush entstanden ist. Eine in Nord-Schleswig-Holstein gefundene Alba Hybride ist die "Schöne aus Angeln". Sie ist dort in vielen Gärten anzutreffen und wahrscheinlich eine spontane Gartenkreuzung, die schon seit langer Zeit durch Ausläufer in der Region Angeln verbreitet wurde. Alle diese Albarosen und Alba Hybriden haben einen wunderschönen Duft , eignen sich für die Pflanzung in Hecken und zeichnen sich durch große Vitalität aus. Rosa centifolia Für viele Menschen ist R. centifolia "die" alte Rose schlechthin: Ihre gefüllten, kugelförmigen und stark duftenden Blüten, die über einen Zeitraum von vielen Wochen an dem stachligen, überhängenden Strauch erscheinen, sind das Ideal einer romantischen Rose. Entstanden sind die Centifolien gegen Ende des 16. Jahrhunderts in den Niederlanden als Endergebnis einer Reihe komplexer Kreuzungen, an denen höchstwahrscheinlich R. gallica, R. alba und R. damascena beteiligt waren. R. centifolia ist wegen der stark gefüllten Blüten unfähig zu sexueller Vermehrung. Dafür hat sie aber eine große Neigung, Knospenmutationen zu entwickeln. Eine der berühmtesten und auch heute noch meist verbreiteten Knospenmutationen ist R. centifolia muscosa "communis", die Stammform der Moosrosen, die 1696 erstmals erwähnt wurde. Sie ähnelt R. centifolia in allen Punkten, bis auf das sogenannte "Moos", das aus verbreiterten Drüsenborsten besteht und einen harzigen Duft hat. Auch R. centifolia muscosa ist wegen der dicht gefüllten Blüten unfruchtbar, hat aber ebenfalls viele Knospenmutationen hervorgebracht. Wie bei R. centifolia gab es darunter auch weniger gefüllte Varianten, aus denen dann auch durch sexuelle Vermehrung Nachkommen entstehen konnten. Eine weitere Knospenmutation von R. centifolia ist Rose de Meaux, eine Art Miniaturausgabe der Stammform mit einem niedrigen und kompakteren Wuchs. Rose de Meaux wiederum hat weitere Knospenmutationen hervorgebracht, u.a. eine weiße Variante, Rose de Meaux white. Unter den Sports von R. centifolia finden sich auch so eigenartige Erscheinungen wie Bullata ( lettuce-leaved rose, Rose à feuilles de Laitue) mit besonders großen und faltigen Blättern oder Cristata (Chapeau de Napoléon, Crested Moss) deren Blütenkelche eine dreispitzförmige Bemoosung tragen. Ein besonders schönes Beispiel einer frühen Centifolie ist Vièrge de Cléry, die als "Rose unique"erstmals 1775 als Knospenmutation von R. centifolia auftrat und seitdem unter verschiedenen Synonymen bekannt ist. Von Redouté wurde sie als Rosa Centifolia mutabilis gemalt. Sie hat besonders seidige Petalen und blüht wie alle frühen Centifolien relativ spät und lange, im Gegensatz zu ihnen blüht sie aber unter günstigen Bedingungen auch nach, was auf eine Beteiligung der herbstblühenden Damaszenerrosen (R. damascena bifera) an der Entstehung der Centifolien hindeutet. Ihre Verwandte R. centifolia "variegata" war ein besonders beliebtes Motiv der Maler vergangener Jahrhunderte und die große Zahl ihrer Synonyme ist ein weiteres Zeichen der großen Beliebtheit und Verbreitung, der sie sich seit langer Zeit erfreut. Jedes Blütenblatt ist einzigartig gestreift in zarten Rosa- und Cremetönen und sie blüht sehr reich und lange. Blanchefleur ist wahrscheinlich eine Centifolienhybride, gezüchtet 1835 von Vibert. Ihr kräftiger, ausladender Wuchs, das etwas grobe Laub, die starke Bestachelung und die stark gefüllten Blüten, die über einen langen Zeitraum in großer Menge erscheinen, lassen sie aber wie eine typische Vertreterin dieser Klasse erscheinen. Centifolien sind sehr frosthart, reichblühend und widerstandsfähig. Bis auf die Zwergformen brauchen sie durch ihren etwas ausladenden Wuchs relativ viel Platz zur vollen Entfaltung und besonders schön und üppig werden sie in voller Sonne und fruchtbarem Boden. Zur Blütezeit sind ihre romantischen Blüten und ihr einzigartiger Duft ein unvergessliches Erlebnis, darum sollte in jedem Garten mindestens eine Vertreterin dieser imposanten Rosenklasse wachsen. Autorin: Raphaela Langenberg
|
||||
| © LostBeauties e.V. 2009 |